Ungewöhnliches von der Pfarrkirchenkrippe
Die Andreaskirche in Kitzbühel besitzt seit dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts eine große Krippe mit verschiedenen „Darstellungen“. Das Wissen um den Künstler, der sie geschaffen hatte, ging im Lauf der Zeit verloren. Zudem gaben unübliche Figuren – etwa vier zusätzliche „Könige“ – Rätsel auf.
Dem um die Aufstellung bemühten Krippenverein kam bei einer Krippenfahrt der Zufall zu Hilfe. Obmann OSR Peter Brandstätter traf vor der Kirchenkrippe in Absam, die auch diese Figuren aufweist, ihren Betreuer
Dr. Franz Colleselli, Direktor des Tiroler Volkskunstmuseums in Innsbruck. Eine Besichtigung in Kitzbühel ergab eindeutig den Bildhauer Johann Giner (1756 – 1833) als Schnitzer. Die Kitzbüheler Figuren bis 53 cm Größe gehören zum Besten, was Giner in den reifen Jahren geschaffen hat.
Der Krippenverein widmet sich seit Jahrzehnten, nicht zuletzt mit Unterstützung durch den Bauhof der Stadt, nicht nur der Erhaltung, sondern auch der würdigen Aufstellung, der Beleuchtung und der Sicherung der mit fünf Wechselszenen ausgestatteten Krippe und hilft dem Mesner bei den notwendigen Umstellungen.
Der Nachfolger Brandstätters als Obmann, Dr. Manfred Rupert, sicherte durch umfangreiche Forschungen das Wissen um die Geschichte aller Kirchenkrippen in der Stadt. In dem Prachtband „Die Giner – eine Tiroler Krippenkünstlerfamilie aus Thaur“ von Gerhard Bogner und Paul Sessner (1988) nimmt die Kitzbüheler Krippe einen bedeutenden Platz ein. Brandstätter und Dr. Rupert erreichten sogar die Herausgabe einer auflagenstarken Weihnachtsmarke der Österreichischen Post mit dem Gloriaengel der Kirchenkrippe.
Rätsel gab eine kniende Madonnenfigur mit Opferkerze und zwei Opfertauben auf, die in keiner anderen Großkrippe aus der Werkstatt Giners vorkommt. Sie wird nach der Kitzbüheler Tradition zum Fest „Mariä Lichtmess“ (2. Februar) aufgestellt.
Weil die Madonna mit etwa 30 cm wesentlich kleiner als die anderen Figuren ist, kamen auch Zweifel auf, ob sie von Giner geschnitzt ist. Inzwischen steht fest, dass die für die „Darstellung im Tempel“ und das vorgeschriebene jüdische Reinigungsopfer für die Mutter geschaffene Figur, von Johann Nepomuk Giner (1806 – 1871), dem talentierten Werkstattnachfolger, geschnitzt wurde.
Der „Ärger“ um die optisch zu kleine „Lichtmessmadonna“ wurde durch den Einsatz von OSR Brandstätter aus der Welt geschafft. Im Auftrag des Krippenvereins schnitzte der Bildhauer Georg Eigentler in Götzens vor etwa 20 Jahren eine Kopie, die bestens zur Krippe passt, obwohl sie rund 150 Jahre jünger ist.
Die letzte „Vorstellung“ der Krippe ist um das Lichtmessfest in der Pfarrkirche aufgestellt.