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Sportgeschichte Bobsport

Wer im Herbst 1908 den Weg zum Schattberg ging, konnte Altbürgermeister Franz R e i s c h beobachten, wie er auf Weidegründen des Schattbergs Pflöcken schlug und allerlei Vermessungen vornahm, die darauf schließen ließen, daß er mitten durch die Weidelandschaft einen Weg zu bauen im Sinne haben mußte.

Dem neugierigen Frager wurde die Auskunft zuteil, hier würde eine Bobbahn gebaut, worauf er so klug war wie zuvor, denn damals gab es in unserem Städtchen nur sehr wenige Wissende, die sich unter dem Begriff Bobbahn auch das Richtige vorstellen konnten.

Bild: BobsportAllmählich erfuhr man, daß die Bahn dazu dienen sollte, mit den großen schweren Mannschaftsschlitten, wie einer als vielbestauntes Ungeheuer auch schon aus der Schweiz bezogen worden war, befahren zu werden, und man munkelte viel von den Gefahren, die mit diesen Fahrten verbunden sein sollten, ohne sich eine klare Vorstellung von der Beschaffenheit der Bahn und der Arbeitsweise dieser Schlittenungeheuer machen zu können. 

Erst der klare Winter im Dezember 1908 brachte darüber in mehrfacher Hinsicht Klarheit. Die Bahn erstand. Sie zog sich in einer Gesamtlänge von 11 00 m vom Graben, der den ersten vom zweiten Schattberg trennt, über das freie baumlose Gelände des ersten Schattbergs und über das Maurachfeld zum Bahndamm und diesen entlang zum Ziel, knapp an der Schattberggasse (heute Talstation der Hahnenkammbahn).

Fünf größere und mehrere kleinere, vollständig aus Eis erbaute Kurven sahen, und dies galt insbesondere von der mehrere Meter hohen großen »S«-Kurve, für die Laien, die wir ja damals noch alle waren, nicht gerade sehr einladend aus. Die Bahn war vom Start bis ins Ziel vom blanken Eis überzogen.
Wer würde es wagen, als erster diese Bahn zu befahren? Der als Allerweltssportler damals sehr bekannte Emil M i t t e r brachte eine nach seiner Angabe ganz neue Type eines Schweizer Bachmann-Holzbobs und eröffnete mir, seinem alten Fußballkameraden, eines Abends, daß er anderen Tags mit diesem Schlitten die neue Bahn befahren würde. Dann bat er mich, als Bremser mitzufahren und auch eine Mannschaft zu besorgen.

Meine Schwester W i g i und ein Fremdling, dessen Name mir heute nicht mehr geläufig ist, vervollständigen unsere Besatzung, und los ging es bangen Herzens zum Start.
Die Ankündigung der ersten Fahrt zog zahlreiche Einheimische und Fremde an die große »S«-Kurve, woselbst eifrig alle Aussichten des bevorstehenden Wagnisses besprochen wurden.  

Bild: Eisziegel Schwarzsee1924 - Bobmeisterschaften von Tirol in KitzbühelErstmals wurde zur Anlage der Bobbahn Eis-Ziegel aus dem Schwarzsee geschnitten, mittelsPferdefuhrwerken zur Bahn gebracht.

Aufsitzen, Erklärung der notwendigsten Kommandos und der darauf auszuführenden Bewegungen. Endlich los! Anfangs langsam, dann in sich immer steigender Geschwindigkeit ging's von einer Schleife zur anderen der großen »S«-Kurve zu, der Scylla und Charybdis entgegen. Dort ein harter Riß an den Bremshebeln, vielleicht, ja wahrscheinlich übertrieben derb. Der brachte die rasende Fahrt auf ein bescheidenes Maß, und so fuhren wir mit einem Seufzer der Erleichterung durch die beiden gefürchteten Kurven und dann wieder in sich ständig steigender Fahrt wohlbehalten dem Ziele zu. Die erste mit so bangem zagen angetretene Fahrt war vor- über, wir alle glücklich und die Bahn eröffnet und Vater Reischs Werk gelungen. 

Aber wo die Not am höchsten, war Vater Reisch am nächsten. Eines schönen Tages brachte er mit in die Wohnung drei Fremdlinge aus dem deutschen Reiche, eine Dame und zwei Herren, und stellte mich, der ich nie einen Bob gelenkt, als den bekannten Bobfahrer so und so vor und bat mich, die Gäste, die großes Interesse für den Sport hätten, zu fahren. 

Ganz wohl zu Mute war mir gerade nicht, aber wollte ich nicht bis auf die Knochen blamiert sein, so mußte ich's wagen. Und es ging! So machte ich 14 Fahrten ohne Sturz. Die 15. brachte mir zwischen den beiden Kurven des großen »S« den ersten Umschmiß, jedoch zum Glück ohne Unfall. 

Nun war auch erwiesen, daß nicht jeder Sturz gleichzeitig mit Hals- und Beinbruch verbunden war. Damit wuchs das allgemeine Zutrauen zur Bahn und das für den 16. Jänner 1909 ausgeschriebene erste Rennen wurde allgemein mit größter Spannung erwartet.    

Bild: Bob der Kaiserjaegermannscha Der Bob der Kaiserjägermannschaft unter Obtl. Georg Bilgeri im Sprung. Dieses Foto beweist, daß es solche Konkurenzen um 1909 gegeben hat.